Zu aller erst geht es mir um die Arbeitnehmer der Automobilkonzerne. Früher oder später werden wir sicherlich den Ausstieg aus der Dieseltechnologie haben. Das ist auch richtig. Doch davon werden dann rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer betroffen sein, die neu qualifiziert werden müssen. Hier müssen wir uns zeitnah Gedanken machen, wie wir mit dieser Herausforderung umgehen. Eine Aufgabe, die Politik, Arbeitgeber, Betriebsräte und Gewerkschaften nur gemeinsam schultern können. Wir müssen deshalb die Mitbestimmung der Betriebsräte in den Betrieben stärken.

Die deutschen Automobilbauer haben dem Ruf der Autoindustrie und damit sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Nein, es reicht ja nicht, die Abgaswerte der Autos zu manipulieren und damit Kunden wie auch die umweltbewusste Gesellschaft für dumm zu verkaufen. Man trifft sich offenbar jahrelang im Hinterzimmer zu geheimen Absprachen um den Wettbewerb zulasten von Kunden, Umwelt und Zulieferern und den dort beschäftigten Menschen auszuhebeln. Hier muss noch eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden!

Der Imageschaden ist immens. Es wird ein Kraftakt für die großen Fünf, diesen Schaden wieder gut zu machen. Aber wir können mit Fug und Recht erwarten, dass sie sich anstrengen: Bestmögliche Lösungen für die Endverbraucher, die Ihnen auf den Leim gegangen sind, die Umwelt, aber auch den Standort insgesamt. Nicht zuletzt sind durch das Vorgehen zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet.

Die Leidtragenden dürfen nicht die Arbeitnehmer sein. Die Führungskräfte, auf deren Kappe die Verfehlungen um die Dieselmotoren und Absprachen gehen, müssen zur Verantwortung gezogen werden. Doch bislang wird ein Missverhältnis in Sachen Verantwortlichkeit deutlich: Betrügt man als normaler Arbeitnehmer bei einem der Autobauer – oder anderswo – , muss mit harten Konsequenzen, ja Entlassung gerechnet werden. Betrügt man als Manager eines Autokonzerns, wird man zum Dieselgipfel eingeladen.

Apropos verfehlte Führungsverantwortung: Bundesverkehrsminister Dobrindt hinterlässt hier (nicht zum ersten Mal) einen mehr als schwachen Eindruck. Unter seinen Augen konnten die deutschen Autobauer offenbar machen, was sie wollen. Auch jetzt, wo es darum geht, Stellung zu beziehen und deutlich Aufklärung einzufordern, ist er kaum sichtbar.

Fraglich, ob nun die Einigung beim „Dieselgipfel“ auf ein Software-Update die Dinge wieder ins Lot bringen kann.

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